Wenke MatthiasIm Gehirn gibt es keine Gedanken.
Kritik des Reduktionismus.
€ 29,80 / Sfr 52,20
296 Seiten
Ist unsere Welt ein Hirngespinst? Sind Bewusstsein, Freiheit oder Glaube nur Illusionen, wie manche Hirnforscher behaupten? Sind wir genetisch programmierte Überlebenskämpfer? Diesen und anderen Fragen geht Matthias Wenke mit gründlichen Reflexionen zu Erkenntnistheorie, Biologie, Psychoanalyse, Yoga und Buddhismus nach - aus Sicht der phänomenologischen Philosophie.
Der Autor kritisiert die einäugige Vorherrschaft eines naiven Biologismus in den Wissenschaften. Er erweitert aber zugleich unseren Horizont für ein komplementäres Verständnis subjektiver Phänomene und empirischer Fakten. Damit nimmt er die Beziehung von Geistes- und Naturwissenschaften als Forschungsperspektiven erster und dritter Person in den Focus. Es stellt sich heraus: Wir sind leibhaftige Wesen, die nur von ihrem eigenen Sinn her verständlich werden.
In seinem Buch stellt Matthias Wenke den Universalanspruch klassischen naturwissenschaftlichen Denkens auf den Prüfstand. Er weist nach, welche logischen Fehler gemacht werden, wenn man praktische Wissenschaft mit Philosophie verwechselt und als Welterklärung missversteht. Wenkes gut begründete erkenntniskritische Argumentation geht systematisch mit verbreiteten Dogmen aus Physik, Biologie, Evolutionstheorie oder Psychologie ins Gericht. Biologische Erklärungsmuster, so der Autor, taugen nicht zum Verständnis menschlicher Phänomene. Wenn Wissenschaftler das Bewusstsein "auf nichts als ein Bündel Neuronen" (Crick) reduzieren, wenn sie Gefühle als "überlebensdienliche biochemische Vorgänge" verbuchen, dann hält Wenke das für ebenso unzulänglich wie Versuche von Hirnforschern, das Bewusstsein, Willensfreiheit oder sogar Spiritualität "verstehen" zu wollen.
Das Wesentliche, so Wenkes überzeugende These, ist nur aus Sicht dessen verstehbar, der es erlebt, aus der Perspektive erster Person. Das genau ist aber das Programm der Phänomenologie Husserls und Merleau-Pontys als Wissenschaft vom Subjekt, in die der Autor lebendig und spannend einführt. Er leitet notwendige Folgen für die Psychologie und die Psychoanalyse ab, etwa der Abschied von der Idee eines biologischen Unbewussten, wie er etwa in der Individulapsychologie realisiert wurde.
Ein eigenes Kapitel widmet Wenke dem Yoga und dem Buddhismus, die er als phänomenologische Wissenschaften herausarbeitet. Abschließend skizziert er eine mögliche Rahmentheorie, welche Natur- und Geisteswissenschaften sinnvoll ordnet und verbindet. Das Buch wendet sich an Leser, die offen und neugierig nachdenken über das Verhältnis von Leib und Seele, Verstehen und Erklären und auch über die Beziehung von Gesellschaft und Wissenschaft. Es bietet Denkstoff und Denkanstösse für alle Menschen, die an den Zusammenhängen von Mensch, Bewusstsein, Natur und Kultur interessiert sind.
Über den Autor: Matthias Wenke (M.A.) studierte Chemie, Erziehungswissenschaft, Psychologie, Soziologie und Philosophie an den Universitäten Münster, Marburg, Köln und Hagen.
Leseprobe: Reduktionismus, naiver Biologismus und der Universalanspruch der Naturwissenschaften
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