Mittwoch, 5. März 2008

Projektionen, wertvolle Wegweiser

Hat ein Mensch unbewusste innere Konflikte (z. B. Selbstablehnung, Minderwertigkeitsgefühle etc.), so führt seine Psyche einen Schutzmechanismus aus. Der Konflikt wird als Projektion von innen nach außen verlagert. Ein Mensch, der sich selbst ablehnt, zieht so unbewusst Menschen an, die ihn ablehnen. Ein Mensch mit einem Mangel an Selbstliebe zieht so Menschen an, die ihm keine Liebe zukommen lassen. Ein unsicherer Mensch zieht so tendenziell „kluge“ Ratgeber an. Und ... er reibt sich an ihnen.

Projektionen laufen in der Regel unbewusst ab. Es handelt sich um unseren blinden Bereich, der vielleicht Mitmenschen - nicht jedoch uns - bewusst ist. Etwas Selbstreflexionsfähigkeit vorausgesetzt, lassen sich Projektionen jedoch mit folgender Regel erschließen:

»Die übertrieben (gefühlt) „negative“ Eigenschaft, welche mich an einem anderen Menschen massiv stört, fehlt mir selbst in gesunder Form.«

Ein Beispiel: Wer sich häufig über Mimosen in seinem Umfeld aufregt, dem kann es tendenziell an Sensibilität fehlen. Wer sich häufig über Aggressivität in seinem Umfeld aufregt, dem kann es tendenziell an einer gesunden Form von Aggressivität, einem gesunden Egoismus fehlen. Menschen, die sich ihrer eigenen Projektionen bewusst werden, erkennen Schritt für Schritt, dass ihre Außenwelt zu großen Teilen ein Spiegel ihrer Innenwelt ist.

Es gibt keine Master-Regel und kein Schema F für das Decodieren von Projektionen. Die Aufdeckung eigener Projektionen gleicht einer Entdeckungsreise in die Welt des „Unterbewusstseins“ (was auch immer das ist...). Projektionen sind - ähnlich wie körperliche Krankheitssymptome - wertvolle Wegweiser zur eigenen Gesundung und Heilwerdung. Es lohnt sich, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.

Projektionen sind eng verknüpft mit unbewussten Glaubenssätzen über uns selbst: »Ich bin nicht gut genug«. »Ich bekomme Liebe nur dann, wenn ich Leistung erbringe«. Mit anderen Worten: »Ich bin nicht liebenswert« usw. (siehe auch: Bodo Deletz - »Zuneigung oder Anerkennung?«). Viele Projektionen lassen sich durch bedingungslose Selbstannahme, Selbstakzeptanz, Selbstliebe auflösen. Aus »Ich bin nicht gut genug« wird dann »Ich bin - so wie ich bin, mit allen schönen Seiten, Ecken und Kanten - perfekt und liebenswert«.

Siehe auch: »Unbewusste bzw. unterbewusste Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster« hier im Blog.

Mehr zu diesem Thema in meinem E-Book »Psychophysik 2.0 - Bedienungsanleitung für das Unterbewusstsein«.

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