Warum erwähne ich das an dieser Stelle?
Wegen der Textpassage zum Thema »Trauma«!
Wenn Sie sich nicht zufälligerweise für Homöopathie interessieren, dann können Sie meine kritischen Gedanken zur homöopathischen Depressions-Behandlung von Antonie Peppler gerne überlesen. Lesenswert finde ich allerdings folgende Stelle:
Zeigen depressive Menschen mehrere der folgenden Symptome
- wiederkehrende Angstzustände
- Hypervigilanz (ständiges »auf der Hut sein«)
- Hyperaktivität (regelmäßig »unter Strom stehen«)
- Überempfindlichkeit gegen Licht, Lärm, Berührung
- starke Stimmungsschwankungen (Wut, Scham)
- geringe Stresstoleranz
- Gefühl der Hilflosigkeit
- Dissoziation (häufig geistig abwesend sein, Taubheit im Körper, eingeschränktes Erinnerungsvermögen)
Trauma? Viele Menschen denken bei diesem Wort an eine schwerwiegende seelisch-psychische Verletzung, wie sie beispielsweise Soldaten im Krieg erfahren. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass sehr viele Menschen im Verlaufe ihrer Kindheit »subtile Traumata« erfahren. Das sind auf den ersten Blick kaum sichtbare emotionale Verletzungen, die auf den zweiten Blick ein ganzes Leben lang wirksam sein können. Ob dies der Fall ist, dass hängt von der Resilienz eines Menschen ab. Hochsensible Menschen sind beispielsweise empfänglicher für »subtile Traumata« als »durchschnittlich sensible« Menschen.
Herausfordernd an »subtilen Traumata« sind zwei Aspekte. Zunächst einmal wissen betroffene Menschen häufig nicht, dass sie durch »subtile Traumata« geprägt wurden und tagtäglich beeinflusst werden. Darüber hinaus entziehen sich »subtile Traumata« bis zu einem gewissen Grad etablierten kognitiv orientierten therapeutischen Maßnahmen. Ich zitiere Wikipedia:
»Die Kognitiven Therapieverfahren, zu denen die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und die Rational Emotive Verhaltenstherapie (REVT) gehören, gehen davon aus, dass die Art und Weise, wie wir denken, bestimmt, wie wir uns fühlen und verhalten und wie wir körperlich reagieren. Schwerpunkte der Therapie sind:
- die Bewusstmachung von Kognitionen
- die Überprüfung von Kognitionen und Schlussfolgerungen auf ihre Angemessenheit
- die Korrektur von irrationalen Einstellungen
- Transfer der korrigierten Einstellungen ins konkrete Verhalten

Aus der Sicht von Trauma-Experten wie z. B. Peter A. Levine sind kognitive therapeutische Ansätze immer dann zum Scheitern verurteilt, wenn eine Beeinträchtigung nicht kognitive (z. B. entfaltungshemmende Überzeugungen) sondern somatische (z. B. physischer »Energieeintrag« eines Traumas) Ursachen hat. Peter A. Levine geht sogar so weit, dass er jegliche Analyse von Kindheit, Überzeugungssystemen etc. für überflüssig hält, sobald traumatische Einflüsse sichtbar sind.

Der therapeutische Ansatz besteht in diesen Fällen nicht in der Beeinflussung von Verhalten oder Kognition sondern in der Emotionsregulierung. Emotionsregulierung kann man sich stark vereinfacht (und nicht ganz richtig) vorstellen als eine Art »Energie-Ableitung« durch absichtsloses Wahrnehmen und intensives Fühlen. Verfahren zur Emotionsregulierung gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Sie nennen sich Somatic Experiencing, (körperorientierter) Somatische Integration, Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie oder ACT: Akzeptanz und Commitment Therapie. Die gemeinsame Wurzel vieler dieser Verfahren liegt in der schon seit Jahrtausenden überlieferten Achtsamkeitsmeditation. Von religiösen und weltanschaulichen Elementen befreit nutzt man sie inzwischen mit großem Erfolg als »Mindfulness Based Stress Reduction« (MBSR nach Jon Kabat-Zinn).
Links zum Thema:
Universität Bern: Achtsamkeitsbasierte Ansätze in der Verhaltenstherapie
3Sat: »Achtsam« gegen Schmerz und Depression vorgehen
ORF: Achtsamkeit in Medizin und Psychotherapie
Stern: Die Wissenschaft vom Hier und Jetzt
Verhaltenstherapie: Achtsamkeit (»Mindfulness«) als Therapieprinzip in Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin
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