»Es ist kein Zufall und kein beliebiger Sprachgebrauch, dass die Psychoanalyse im Gegensatz zur Umgangssprache, gegen Pierre Janets »subconscient« und im Einklang mit der philosophischen Tradition (Schelling, Carus, v. Hartmann) nicht vom »Unterbewusstsein« redet, sondern vom Unbewussten, gebildet mit dem privativen Präfix un, nicht mit dem räumlichen unter (Gardner 2003). »Un« heißt, dass dem bewussten seelischen Erleben etwas fehlt. Dies ist nicht im Sinn einer Negation zu verstehen (als Luxus, Kuriosität, störendes Beiwerk o. ä.), sondern als Privation (»Beraubung« ): Unser bewusstes Erleben vermisst entweder die unbewussten Inhalte schmerzlich oder aber möchte diese loswerden. In jedem Fall gehört das Unbewusste zum Denken, ja: der Kern des Denkens ist unbewusst.Eine Gefahr räumlicher Modelle des Psychischen besteht darin, das Seelische in Stockwerken zu denken und das »Unterbewusste« gleichsam in den Keller zu verbannen. Freud wird nicht müde, den metaphorischen Charakter seiner topischen Modelle zu betonen. Er will das Psychische nicht lokalisieren, sondern de-lokalisieren.«
Prof. Dr. med. Eckhard Frick
Hochschule fuer Philosophie, München
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1 Kommentare:
"In jedem Fall gehört das Unbewusste zum Denken, ja: der Kern des Denkens ist unbewusst."
Wie möchte Herr Frick das verstanden wissen?
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