Donnerstag, 4. Dezember 2008

Wir haben keine Wahl, auch nicht bei Wahlen!?

Können Sie sich noch an die aufgeregte Diskussion um den FREIEN WILLEN des Menschen erinnern? Gut, die Diskussion hat sich beruhigt, nachdem Vertreter eines neurobiologischen Determinismus wie z. B. Gerhard Roth ihre Thesen bereits 2005 relativiert haben. Zur Auffrischung hier nochmals ein 2005er Artikel aus der Zeitschrift VERHALTENSTHERAPIE & VERHALTENSMEDIZIN. Autor ist ein Anonymus (Facharzt für Psychiatrie) aus Bayern:



»›Wir sollten aufhören, von Freiheit zu sprechen.‹ Wir haben keine Wahl, auch nicht bei Wahlen, schon gar keine Schuld, sondern ›sind geprägt wie die Lorenz'schen Graugänse.‹ Derartiges versichert in der Nachfolge Skinner's heute der Neurophysiologe Wolf Singer. Er ist sich sicher: ›Verschaltungen legen uns fest.‹ Ihn selbst etwa darauf, seit Anfang 2004 erst in der FAZ und seitdem wiederholt auch anderenorts zur ›Erkenntnis‹ der Hirnforschung zu erklären: ›Keiner kann anders als er [verschaltet...] ist.‹ Mutig hatten sich Neurowissenschaftler allerdings schon vorher weit aus dem Fenster gelehnt, visionär den Blick ins Land gerichtet – und in ein grandioses Jahrtausend.

Es hatte soeben begonnen, als ein Neurophilosoph schaltete und dazu ansetzte, in einem neu gegründeten ›Magazin für Psychologie und Hirnforschung‹ zur Großprophylaxe der Öffentlichkeit zu schreiten und sie rechtzeitig ›auf die brisanten Erkenntnisse der modernen Hirnforschung‹ vorzubereiten, in der Überzeugung: ›Die Hirnforschung verändert in dramatischer Weise unser Menschenbild und damit die Grundlage unserer Kultur, der Basis unserer ethischen wie politischen Entscheidungen.‹

Wer es zu lesen bekam, der fragte sich vielleicht, ob nach Marx, Haeckel und anderen wieder einmal die Verkündigung einer ›wissenschaftlichen Weltanschauung‹ drohe. Der Fachmann überschlug es schnell: Neurophysiologie als Ersatz für persönliche Selbstbilder und individuelles Selbstverständnis, für Ich- und Selbstbewusstsein, Selbstmodelle in Psychologie und Psychotherapie und sonstigen „Menschenbildern‹ aller Art? ...«

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1 Kommentare:

www.theologie-der-vernunft.de hat gesagt…

Was mir bei Singers Determinismus-Debatte immer wieder bewusst wird: Wir sind Kinder der jeweiligen Weltbilder, denken wir wären frei, sind aber in Wirklichkeit eingebunden in einen Chor.

Wehe, wenn dieser Chorgeist dann im naturalistischen Kurz-schluss nur egoistischen Genegoismus singt, hedonistischen Sebstzweck ohne gemeinsamen Sinn. Und beim Gesang in der Kirche nur vergeisterte Gestrigkeit verstanden wird.