Sonntag, 3. Oktober 2010

Explosiv: „Am Anfang war das Licht“. Interview mit dem Filmemacher P. A. Straubinger über „Lichtnahrung“, Bewusstsein und Materialismus

Der Kinofilm „What the Bleep Do We Know!?“ („Bleep“) zeigte 2004, dass auch Nischenthemen ihr Publikum finden. Phänomene rund um Quantenphysik, Neurologie, Spiritualität und Mystik sind ein Publikumsmagnet. Die deutsche Fassung von „Bleep“ erreichte laut Wikipedia 270.000 Zuschauer. Der neue Kinofilm „Am Anfang war das Licht“ von „Ö3 Film-Chef“ Peter Arthur Straubinger hat das Potenzial, deutlich mehr Menschen zu gewinnen. Warum? Trotz thematischer Überschneidungen mit „Bleep“ ist „Am Anfang war das Licht“ dramaturgisch viel spannender gemacht und sprachlich sowie stilistisch auf ein deutschsprachiges Publikum abgestimmt. Peter Arthur Straubinger stand mir jetzt für ein Interview zu Verfügung, welches gestern im H.Blog veröffentlicht wurde.
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Von Straubingers Projekt erfuhr ich schon vor längerer Zeit im Rahmen seiner Recherche zum Themenkomplex „Bewusstsein“. Als ich im August 2010 in einer Pressevorführung nun das fertige Werk sehen konnte, da war ich tief beeindruckt.„Am Anfang war das Licht“ ist kein trockener Dokumentarfilm. Der Kinofilm hat stilistisch und dramaturgisch viele Facetten - ja er verströmt teilweise einen kleinen Hauch von Hollywood.

In „Am Anfang war das Licht“ geht es um die Frage, ob es Menschen gibt, die ohne Nahrungsaufnahme dauerhaft überleben können - sich aus „esoterischer Sicht“ von „feinstofflicher Energie“ ernähren. Themen dieser Art entziehen sich gewöhnlich einer sachlichen und faktenorientierten Auseinandersetzung, weil Diskussionen von zwei Gruppen dominiert werden:

Auf der einen Seite gibt es hier die Anhänger „positiver Überzeugungssysteme“, für die ein Phänomen wie z. B.  „Lichtnahrung“ selbstverständlich existiert, weil es ihnen im Rahmen ihres Weltbildes plausibel erscheint und weil ihre Erkenntnisinstanz INTUITION über alle Zweifel erhaben ist. Auf der anderen Seite gibt es - quasi komplementär - Anhänger „negativer Überzeugungssysteme“, für die ein zu untersuchendes Phänomen X dann Eso-Humbug ist, wenn es sich „esoterisch“ anhört und im Rahmen des eigenen Weltbildes nicht plausibel klingt. Diese Gruppierungen vertrauen (zumindest in ihrer Selbstwahrnehmung) dem VERSTAND, werden jedoch nach meiner Erfahrung z. B. mit Aktivisten des Vereins GWUP primär durch ihre „Bauchgefühl“ und ihre Plausibilitätsvorstellungen geprägt. Deutlich wird dies besonders dann, wenn Sichtweisen abgelehnt werden, ohne sich systematisch und fachkompetent mit ihnen auseinandergesetzt zu haben.

Positive & negative Glaubenssysteme
Es gibt zwei interessante wissenschaftliche Publikationen, die sich mit dieser Problematik fundiert auseinandersetzen. Auf der einen Seite gibt es von Prof. Dr. Dr. Harald Walach „Generalisierte Quantentheorie: Eine theoretische Basis zum Verständnis transpersonaler Phänomene“. Eine wichtige Textpassage findet sich hier unter Punkt 2. und hat die Überschrift: „Mit Ockhams Rasiermesser Platons Rettungsboot reparieren.“ Walach schreibt:

„Methodisch bedeutet dies, dass der Rahmen der Welt nicht durch die uns bekannten und für uns nützlichen Theorien abgesteckt wird, sondern von den Phänomenen selbst. Da unsere Wahrnehmung theorie- und unsere Erfahrung sprachgebunden ist, haben wir die Tendenz, Phänomene, die uns begegnen und die wir im Rahmen dieser geltenden Theorien nicht einordnen können, zu ignorieren, im Rahmen der Theorie umzudeuten oder aber für irrelevant zu erklären.“

Die zweite sich mit Aspekten positiver und negativer Überzeugungssysteme beschäftigende wissenschaftliche Arbeit ist der Artikel „Das Skeptiker-Syndrom“ des Heidelberger Soziologen und GWUP-Mitbegründers Edgar Wunder. Der Beitrag geht auf die Problematik ein, dass sog. Skeptiker (eine ideologische Gruppierung) gerne KRITISCHES DENKEN mit NEGATIVEM GLAUBEN verwechslen. Wunder schreibt hierzu:

„Die Probleme beginnen damit, dass mit dem Begriff „Skeptiker“ (mindestens) zwei verschiedene semantische Dimensionen verbunden sind, die sowohl von der Öffentlichkeit, aber vor allem auch innerhalb von sog. „Skeptiker“-Organisationen immer wieder durcheinander gebracht werden.

Die beiden Dimensionen sind in der dargestellten Graphik verdeutlicht: Es gibt einerseits die Dimension „belief - unbelief“ (z.B. hinsichtlich des „Paranormalen“, was immer das sein mag), andererseits die Dimension „dogmatism - open mindedness / critical thinking“. Dabei ist zu betonen, dass mit „unbelief“ keineswegs nur „non-belief“ gemeint ist, sondern der „unbelief“, verstanden als „disbelief“, durchaus selbst ein belief-system darstellt.“

Kommen wir zurück zum Kinofilm „Am Anfang war das Licht“. Die Diskussion des Phänomens „Lichtnahrung“ könnte aus wissenschaftlicher Sicht durchaus spannend sein. Ich erwarte allerdings, dass es zu einer qualifizierten Auseinandersetzung mit entsprechenden Phänomenen so schnell nicht kommen wird, weil POSITIV GLÄUBIGE und NEGATIV GLÄUBIGE in der Bevölkerung, in den Medien und sogar in der Wissenschaft den Diskurs dominieren werden. Eine unvoreingenommene und ergebnisoffene Auseinandersetzung ist von positiv und/oder negativ Gläubigen jedoch nicht zu erwarten.

Um so wertvoller und spannender finde ich, dass es Peter Arthur Straubinger geschafft hat, eine echte neutrale Mitte einzunehmen, die großen Risiken des „Lichtnahrungs“-Prozesses ebenso zu beleuchten wie starke Indizien, welche für die Existenz entsprechender Phänomene sprechen.

Hier geht es zu meinem Straubinger-Interview ...
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