Donnerstag, 23. Juni 2011

Universität Heidelberg: Tagung zum Thema „Psychologie und Gehirn“

(idw-online) - Zu der Tagung „Psychologie und Gehirn“ werden vom 23. bis 25. Juni 2011 rund 350 Psychologen und Neurowissenschaftler an der Universität Heidelberg erwartet. Sie befassen sich mit zentralen Fragen psychophysiologischer Grundlagenforschung. Auf dem Veranstaltungsprogramm stehen 28 Symposien mit mehr als 130 Einzelbeiträgen, die aktuelle Themen aus der Psychologie und der modernen Hirnforschung behandeln. Ausgerichtet wird die Veranstaltung vom Psychologischen Institut der Universität Heidelberg und der Abteilung Klinische Psychologie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim. Es handelt sich dabei um die 37. Deutsche Psychophysiologentagung, zu der die Deutsche Gesellschaft für Psychophysiologie und ihre Anwendung (DGPA) und die Fachgruppe Biologische Psychologie und Neuropsychologie in der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) einladen.
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„Psychophysiologie ist der historische Name einer Forschungstradition, die sich mit der Frage der Zusammenhänge von psychischen Prozessen und körperlichen Reaktionen befasst“, erläutert Prof. Dr. Peter Kirsch vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. „Seit dem Aufkommen moderner Methoden der Hirnforschung hat sich das Spektrum dieser Disziplin, die heute oft unter dem Begriff der ,Biologischen Psychologie‘ zusammengefasst wird, deutlich erweitert.“ So reichen die Forschungsthemen von Untersuchungen zur Körperveränderung bei der visuellen Wahrnehmung über die Frage, welche Gehirnprozesse für erfolgreiches Mathematiklernen verantwortlich sind, bis hin zur Anwendung der Hirnforschung auf klinische Fragestellungen wie die Schizophrenieforschung oder die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten. Zunehmend an Bedeutung gewinnen dabei auch, so Prof. Kirsch, Fragen der sogenannten affektiven und sozialen Neurowissenschaften, die untersuchen, wie emotionale und soziale Prozesse in unserem Gehirn repräsentiert sind.

Zum Tagungsprogramm gehören drei Hauptvorträge: Den Auftakt am Donnerstag (23. Juni) macht Prof. Dr. Martin Eimer von der Universität London, der sich im Eröffnungsvortrag dem Thema der visuellen Aufmerksamkeit widmen wird. Am Freitag (24. Juni) spricht Prof. Dr. Rainer Goebel von der Universität Maastricht über die Erfassung der Gehirnaktivität in Echtzeit. In einem weiteren Vortrag am Samstag (25. Juni) befasst sich Prof. Dr. Ursula Stockhorst von der Universität Osnabrück mit den Effekten von Insulin im Gehirn. Weitere Informationen zu der Veranstaltung können im Internet unter http://www.pug2011-kongress.unitt.de/ abgerufen werden.

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Mittwoch, 13. April 2011

Paradox: Therapien mit niedriger Evidenz und starker Wirkung. Placebo in der Medizin.

Medizinische Therapien können in randomisierten klinischen Studien (RCTs) eine niedrige Evidenz zeigen und trotzdem Arzneimitteln und Interventionen mit hoher Evidenz deutlich überlegen sein. Auf dieses kuriose Paradox machte Prof. Dr. Jütte, Vorstand des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer (BÄK), 2010 in einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt aufmerksam. Der Grund: randomisierte doppeltverblindete klinische Studien untersuchen nur die sogenannte spezifische Wirksamkeit (Efficacy) einer medizinischen Intervention. Der therapeutische Erfolg (Besserungsrate) ergibt sich hingegen aus der Wirkung (Effectiveness). Das ist die Summe aus Verum- und Placeboeffekten.Viel zu wenig bekannt ist das spannende Phänomen, dass der Anteil von Placeboeffekten an der Wirkung einer Therapie relativ groß sein kann. Selbst Therapien mit hoher Evidenz können primär von Placeboeffekten getragen werden.
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Jahrzehnte lang haben sich Medizinforscher viel einfallen lassen, um die Effektivität von medizinischen Therapien so genau und zuverlässig wie möglich zu messen. Auf der Webseite des Deutschen Cochrane Zentrums gibt es diesbezüglich z. B. eine Übersicht mit Angaben zu sog. Evidenzhierarchien. Hier lernen wir, dass „Meinungen und Überzeugungen von angesehenen Autoritäten (aus klinischer Erfahrung); Expertenkommissionen; beschreibende Studien“ (Evidenzstufe IV) wenig darüber aussagen, ob eine Intervention wirksam ist oder nicht. Die Bewertung einer medizinischen Therapie oder eines Arzneimittels ist laut Cochrane hingegen dann vertrauenswürdig, wenn „wenigstens ein systematischer Review auf der Basis methodisch hochwertiger kontrollierter, randomisierter Studien (RCTs)“ vorliegt (Evidenzstufe Ia).
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Leider unterschlägt die Evidenzhierarchie-Tabelle des Deutschen Cochrane Zentrums einen gravierenden Nachteil randomisierter klinischer Studien. RCTs haben eine hohe interne, jedoch eine niedrige externe Validität. Mit dem Begriff „Validität“ wird laut Wikipedia das „argumentative Gewicht einer (vornehmlich wissenschaftlichen) Feststellung, Aussage, Untersuchung, Theorie oder Prämisse bezeichnet.“ Interne Validität gibt an, ob die Ergebnisse einer Studie von der getesteten Intervention herrühren und nicht durch Zufall oder andere Faktoren (z. B. Placeboeffekte) zustande kommen. Die Interne Validität ist hoch, wenn bei der Planung der Studie systematische Fehler (Bias) weitgehend ausgeschaltet werden. Externe Validität gibt an, ob sich die Ergebnisse einer Studie auf die Population verallgemeinern lassen, für welche die Studie konzipiert wurde.
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Genau hier liegt jedoch das Problem. Weil Placeboeffekte oder präziser unspezifische Effekte in RCTs ausgeschlossen werden, in der therapeutischen Praxis jedoch eine so große Bedeutung haben, lassen sich die Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie oftmals nicht auf den therapeutischen Alltag übertragen. Was im klinischen Labor via RCT überzeugt, das muss unter Praxisbedingungen noch lange nicht überzeugen. Ja, eine medizinische Intervention mit niedriger Evidenz kann einer Intervention mit hoher Evidenz unter Alltagsbedingungen sogar haushoch überlegen sein, wenn sie mit starken Placeboeffekten verbunden ist.
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Erfahren Sie in meinem Artikel „Forschungslage: Placebo in der Medizin. Experten raten, den Placeboeffekt stärker für die Therapie zu nutzen“, warum es hier um ein Paradoxon mit hoher praktischer Bedeutung für Sie, mich und unser gesamtes Gesundheitssystem geht.
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Sonntag, 3. Oktober 2010

Explosiv: „Am Anfang war das Licht“. Interview mit dem Filmemacher P. A. Straubinger über „Lichtnahrung“, Bewusstsein und Materialismus

Der Kinofilm „What the Bleep Do We Know!?“ („Bleep“) zeigte 2004, dass auch Nischenthemen ihr Publikum finden. Phänomene rund um Quantenphysik, Neurologie, Spiritualität und Mystik sind ein Publikumsmagnet. Die deutsche Fassung von „Bleep“ erreichte laut Wikipedia 270.000 Zuschauer. Der neue Kinofilm „Am Anfang war das Licht“ von „Ö3 Film-Chef“ Peter Arthur Straubinger hat das Potenzial, deutlich mehr Menschen zu gewinnen. Warum? Trotz thematischer Überschneidungen mit „Bleep“ ist „Am Anfang war das Licht“ dramaturgisch viel spannender gemacht und sprachlich sowie stilistisch auf ein deutschsprachiges Publikum abgestimmt. Peter Arthur Straubinger stand mir jetzt für ein Interview zu Verfügung, welches gestern im H.Blog veröffentlicht wurde.
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Von Straubingers Projekt erfuhr ich schon vor längerer Zeit im Rahmen seiner Recherche zum Themenkomplex „Bewusstsein“. Als ich im August 2010 in einer Pressevorführung nun das fertige Werk sehen konnte, da war ich tief beeindruckt.„Am Anfang war das Licht“ ist kein trockener Dokumentarfilm. Der Kinofilm hat stilistisch und dramaturgisch viele Facetten - ja er verströmt teilweise einen kleinen Hauch von Hollywood.

In „Am Anfang war das Licht“ geht es um die Frage, ob es Menschen gibt, die ohne Nahrungsaufnahme dauerhaft überleben können - sich aus „esoterischer Sicht“ von „feinstofflicher Energie“ ernähren. Themen dieser Art entziehen sich gewöhnlich einer sachlichen und faktenorientierten Auseinandersetzung, weil Diskussionen von zwei Gruppen dominiert werden:

Auf der einen Seite gibt es hier die Anhänger „positiver Überzeugungssysteme“, für die ein Phänomen wie z. B.  „Lichtnahrung“ selbstverständlich existiert, weil es ihnen im Rahmen ihres Weltbildes plausibel erscheint und weil ihre Erkenntnisinstanz INTUITION über alle Zweifel erhaben ist. Auf der anderen Seite gibt es - quasi komplementär - Anhänger „negativer Überzeugungssysteme“, für die ein zu untersuchendes Phänomen X dann Eso-Humbug ist, wenn es sich „esoterisch“ anhört und im Rahmen des eigenen Weltbildes nicht plausibel klingt. Diese Gruppierungen vertrauen (zumindest in ihrer Selbstwahrnehmung) dem VERSTAND, werden jedoch nach meiner Erfahrung z. B. mit Aktivisten des Vereins GWUP primär durch ihre „Bauchgefühl“ und ihre Plausibilitätsvorstellungen geprägt. Deutlich wird dies besonders dann, wenn Sichtweisen abgelehnt werden, ohne sich systematisch und fachkompetent mit ihnen auseinandergesetzt zu haben.

Positive & negative Glaubenssysteme
Es gibt zwei interessante wissenschaftliche Publikationen, die sich mit dieser Problematik fundiert auseinandersetzen. Auf der einen Seite gibt es von Prof. Dr. Dr. Harald Walach „Generalisierte Quantentheorie: Eine theoretische Basis zum Verständnis transpersonaler Phänomene“. Eine wichtige Textpassage findet sich hier unter Punkt 2. und hat die Überschrift: „Mit Ockhams Rasiermesser Platons Rettungsboot reparieren.“ Walach schreibt:

„Methodisch bedeutet dies, dass der Rahmen der Welt nicht durch die uns bekannten und für uns nützlichen Theorien abgesteckt wird, sondern von den Phänomenen selbst. Da unsere Wahrnehmung theorie- und unsere Erfahrung sprachgebunden ist, haben wir die Tendenz, Phänomene, die uns begegnen und die wir im Rahmen dieser geltenden Theorien nicht einordnen können, zu ignorieren, im Rahmen der Theorie umzudeuten oder aber für irrelevant zu erklären.“

Die zweite sich mit Aspekten positiver und negativer Überzeugungssysteme beschäftigende wissenschaftliche Arbeit ist der Artikel „Das Skeptiker-Syndrom“ des Heidelberger Soziologen und GWUP-Mitbegründers Edgar Wunder. Der Beitrag geht auf die Problematik ein, dass sog. Skeptiker (eine ideologische Gruppierung) gerne KRITISCHES DENKEN mit NEGATIVEM GLAUBEN verwechslen. Wunder schreibt hierzu:

„Die Probleme beginnen damit, dass mit dem Begriff „Skeptiker“ (mindestens) zwei verschiedene semantische Dimensionen verbunden sind, die sowohl von der Öffentlichkeit, aber vor allem auch innerhalb von sog. „Skeptiker“-Organisationen immer wieder durcheinander gebracht werden.

Die beiden Dimensionen sind in der dargestellten Graphik verdeutlicht: Es gibt einerseits die Dimension „belief - unbelief“ (z.B. hinsichtlich des „Paranormalen“, was immer das sein mag), andererseits die Dimension „dogmatism - open mindedness / critical thinking“. Dabei ist zu betonen, dass mit „unbelief“ keineswegs nur „non-belief“ gemeint ist, sondern der „unbelief“, verstanden als „disbelief“, durchaus selbst ein belief-system darstellt.“

Kommen wir zurück zum Kinofilm „Am Anfang war das Licht“. Die Diskussion des Phänomens „Lichtnahrung“ könnte aus wissenschaftlicher Sicht durchaus spannend sein. Ich erwarte allerdings, dass es zu einer qualifizierten Auseinandersetzung mit entsprechenden Phänomenen so schnell nicht kommen wird, weil POSITIV GLÄUBIGE und NEGATIV GLÄUBIGE in der Bevölkerung, in den Medien und sogar in der Wissenschaft den Diskurs dominieren werden. Eine unvoreingenommene und ergebnisoffene Auseinandersetzung ist von positiv und/oder negativ Gläubigen jedoch nicht zu erwarten.

Um so wertvoller und spannender finde ich, dass es Peter Arthur Straubinger geschafft hat, eine echte neutrale Mitte einzunehmen, die großen Risiken des „Lichtnahrungs“-Prozesses ebenso zu beleuchten wie starke Indizien, welche für die Existenz entsprechender Phänomene sprechen.

Hier geht es zu meinem Straubinger-Interview ...
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Samstag, 3. Juli 2010

Trends That Will Affect Your Future: The Denier Movements Critique Evolution, Climate Change, and Nonlocal Consciousness (Stephan A. Schwartz)

The SchwartzReport tracks emerging trends that will affect the world, particularly the United States. For EXPLORE (The Journal of Science & Healing), it focuses on matters of health in the broadest sense of that term, including medical issues, changes in the biosphere, technology, and policy considerations, all of which will shape our culture and our lives.
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Stephan A. Schwartz:
„In our culture right now we have several “denier” movements actively engaged in trying to impede the free development of science: the creationists, the climate change deniers, and the consciousness deniers - those who cannot, or will not, consider consciousness as anything other than materialist processes. For all their lack of substance, these movements are powerful forces in the culture, with substantial detrimental effects ...
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Consciousness deniers are materialists who conceive of all aspects of consciousness as entirely a construct of physiological processes, in spite of hundreds of studies demonstrating this conclusion is not justified. This, just as creationists, in the face of hundreds of studies, demand that evolution be considered no more than an unproven theory, or climate deniers see extreme snow storms as proof climate change is a myth. As a result of these denier efforts, research in all three areas has been made more difficult, and this has had both unfortunate scientific and social implications.
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The denier disruptions created in evolutionary and climate research are well known. The impact of consciousness deniers is less known or understood. But here is one consideration: progress in understanding the nature of consciousness, particularly that aspect—the nonlocal— that has not been explained by physiology but is addressed by nonlocality and quantum processes, has a very direct social consequence.“
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Read Free Article (PDF) ...
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About:
EXPLORE: The Journal of Science & Healing  addresses the scientific principles behind, and applications of, evidence-based healing practices from a wide variety of sources, including conventional, alternative, and cross-cultural medicine. It is an interdisciplinary journal that explores the healing arts, consciousness, spirituality, eco-environmental issues, and basic science as all these fields relate to health.
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Visit EXPLORE ...
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Mittwoch, 6. Januar 2010

Buchvorstellung: »Feel it! Soviel Intuition verträgt Ihr Unternehmen« von Dr. Andreas Zeuch

Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie das Wort Intuition hören? Sind es Assoziationen wie „Bauchgefühl“ oder „Ahnung“? Denken Sie „total wichtig“ oder eher „ist was für Hausfrauen“? Vielleicht haben Sie auch das Buch „Bauchentscheidungen“ des deutschen Stars der Kognitionsforschung, Gerd Gigerenzer, gelesen - und wissen dann, dass Intuition nichts weiter als verdichtete Information ist und sich als Faustregel beschreiben lässt?

 

Vielleicht fällt Ihnen irgend etwas davon zuerst ein. Aber an eines denken Sie vermutlich nicht: Dass Intuition weit mehr ist, als eine persönliche Fähigkeit, die man - je nachdem, was man für richtig hält - im Beruf verwenden kann oder nicht. Und genau das ist eine der Überraschungen, die das neue Buch „Feel it! Soviel Intuition verträgt Ihr Unternehmen“ von Dr. Andreas Zeuch bereit hält: Intuition ist eine Tür in eine neue Unternehmenswelt.

Zeuch macht dem Leser unmittelbar klar, dass es um weit mehr geht, als ab und an mal auf seinen Bauch zu hören. Anhand zahlreicher Fallbeispiele und Experimente, die eindrücklich und schriftstellerisch geschildert sind, geht dem Leser allmählich ein Licht auf: Unsere bisherigen unternehmerischen Entscheidungskulturen basieren auf vollkommen falschen Grundannahmen über unser Unbewusstes und unser Bewusstsein; über Misstrauen und Vertrauen; über Hierarchie und Selbstorganisation und über Expertise und Anfängergeist.

Dieses Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Wirtschaftswelt, in der wir uns endlich von dem frei erfundenen und völlig unmenschlichen Homo Oeconomicus verabschieden. Statt dessen müssen wir lernen zu verstehen, dass unser Unbewusstes eine große Rolle in unseren Entscheidungen spielt und wir eine gehörige Portion Achtsamkeit brauchen, wenn wir wirklich erfolgreich sein wollen.

Und das ist vielleicht sogar die größte Überraschung: Wer dieses Buch gelesen hat, merkt, dass wir reichlich pessimistisch unterwegs sind, weil wir so tun, als ob wir nicht viel mehr leisten könnten als bisher. Zeuch outet sich bei all seiner scharfen Kritik am Bestehenden als echter Optimist. Die Leser können sich davon inspirieren lassen und mit Freude in die Zukunft blicken.


Feel it! Soviel Intuition verträgt Ihr Unternehmen.
Wiley, gebunden 232 Seiten,
ISBN-10: 3527504672, ISBN-13: 978-3527504671
Erscheint am 7. April 2010. Vorbestellung über Amazon möglich ...

Link zum Thema:
Dr. Andreas Zeuch bei Twitter ...

Webseite zum Buch:
Hierarchie ist nicht gehirngerecht


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Sonntag, 27. September 2009

Die FAZ und das Vermeiden der Angstfalle. Noceboeffekt und Placeboeffekt.

»Ich werde schaden« heißt die Überschrift eines spannenden Artikels über Noceboeffekte, den Magnus Heier am 21. September 2009 in der FAZ publizierte. Geist, Bewusstsein, Psyche, Psychosomatik, Erwartungshaltung, »Die Wirkung der Bedeutung« oder wie auch immer wir es nennen ... kann nicht nur heilen sondern auch krank machen. Magnus Heier schildert:


»Der 26-jährige Derek Adams wollte seinem Leben ein Ende setzen. Seine Freundin hatte ihn verlassen. Er schluckte 29 Kapseln eines Antidepressivums und bekam Todesangst. Nach der massiven Überdosis sackte sein Blutdruck ab, er kam in die Klinik und konnte trotz intravenöser Infusionen nicht stabilisiert werden.

Was Adams nicht wusste: Die Tabletten hatte er im Rahmen einer klinischen Studie erhalten. Wie bei randomisierten Doppelblindstudien üblich, erhält eine Gruppe den echten Wirkstoff (Verum) und die andere Gruppe einen Scheinwirkstoff (Placebo). Derek Adams gehörte zur Kontrollgruppe und hatte lauter Placebo-Pillen ohne Wirkstoff geschluckt. Als man ihm dies mitteilte, verschwanden seine schwerwiegenden Symptome umgehend. Er war kerngesund ...«


Hier geht es zum vollständigen Artikel in der FAZ ...

Magnus Heier erläutert im weiteren Verlauf seines FAZ-Artikels einen Aspekt, der für jeden Menschen insbesondere jedoch für Ärzte und Therapeuten eine große Bedeutung hat: Das Vermeiden der Angst-Falle. Meine Empfehlung: UNGEDINGT LESEN!

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Mittwoch, 25. Februar 2009

Validation: Lob & Wertschätzung



VALIDATION bedeutet auf Englisch - je nach Kontext - einmal ENTWERTUNG oder aber auch AUFWERTUNG. Sie können einen Ticket entwerten: to validate a ticket. Sie können jedoch ebenso einen Menschen aufwerten: to validate a person.

Der Unterschied wird schnell sichtbar ... in den strahlenden Gesichtern Ihrer Mitmenschen!


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Mittwoch, 18. Februar 2009

Rückwärtssprache: Europa-Tour von Karina Kaiser im Zeitraum April bis Juli 2009

Karina Kaiser, die in Australien lebende Expertin für Rückwärtssprache bzw. Reverse Speech ist im Zeitraum April bis Juli 2009 auf Europa-Tour. Sie können mit dem Begriff Rückwärtssprache nicht viel anfangen? Hier finden Sie eine kleine Einführung:

Rückwärtssprache: Tor zum Unbewussten?

Interview mit der Psychologin Psychologin Katrin Meißner

Rückwärtssprache & Meta Walk: Schnupper-Sitzung mit Karina Kaiser





Erleben Sie Rückwärtssprache live:


Schweiz:

17. April 2009 - Präsentation Basler Psi-Verein, Basel - Hier klicken
18. April 2009 - Workshop Basler Psi-Verein, Basel - Hier klicken

23. April 2009 – Präsentation Schweizer Parapsychologische Gesellschaft, Zürich - Hier klicken
26. April 2009 – Workshop Schweizer Parapsychologische Gesellschaft, Zürich - Hier klicken

24. April 2009 – Präsentation Stauber Seminar-Zentrum, Zug - Hier klicken
25. April 2009 – Workshop Stauber Seminar-Zentrum, Zug - Hier klicken

Deutschland:

3. Mai - 8. Mai 2009 - Studenten-Seminar Energy-Centrum Bietigheim-Bissingen, Nähe Stuttgart

15. Mai 2009 – Präsentation Energy-Centrum Bietigheim-Bissingen, Nähe Stuttgart - Hier klicken
16. Mai 2009 – Workshop Energy-Centrum Bietigheim-Bissingen, Nähe Stuttgart - Hier klicken

29. Mai 2009 – Präsentation - Efodon (Europäische Gesellschaft für frühgeschichtliche Technologie & Randgebiete der Wissenschaft), München - Hier klicken
31. Mai 2009 – Workshop - Efodon (Europäische Gesellschaft für frühgeschichtliche Technologie & Randgebiete der Wissenschaft), München - Hier klicken


Österreich:

22. Mai 2009 – Präsentation Akademie des Wissens, Sulzberg/Voralberg - Hier klicken
23. Mai 2009 - Workshop Akademie des Wissens, Sulzberg/Voralberg - Hier klicken

3. Juni 2009 - Präsentation Grazer Treff für Grenzwissenschaften, Graz - Hier klicken
5. Juni 2009 - Workshop Grazer Treff für Grenzwissenschaften, Graz



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Donnerstag, 15. Januar 2009

Esowatch im Münchhausen-Test: »Akupunktur«

Esowatch.com ist der Name eines Internet-Portals, in dem sich eine kleine Gruppe streng dogmatischer Skeptiker in rührender Weise und mit viel Liebe zum Detail an seinen Feindbildern abarbeitet. Grund genug, die Autoren einem stichprobenartigen Münchhausen-Test zu unterziehen.

Esowatch bietet einen bunten Mix aus Wissen, Halbwissen, Unfug und subjektiv gefärbten persönlichen Wertungen, die mitunter auch Juristen interessieren könnten. Zu den kleineren Delikten gehören dabei ein fehlendes Impressum und Urheberrechts-Verletzungen wie z. B. die unautorisierte Verwendung von Fotos. Rechtlich schwerwiegender sind abwertende Darstellungen von Einzelpersonen und Organisationen (z. B. Krankenversicherungen) mit verleumderischem Charakter. Einige Aussagen bewegen sich im Grenzbereich zu strafrechtlicher Relevanz und vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Initiatoren von Esowatch.com unfreiwillig publik werden. Auf der anderen Seite haben die überwiegend in kindlich naiv gehaltener Sprache formulierten Inhalte einen erheblichen Unterhaltungswert, übertroffen nur noch von der literarisch klar überlegenen Behrmann-Lyrik.



Was der Psychologe Eberhard Bauer (Vorstand des renommierten Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene e. V. (IGPP) in Freiburg), der Philosoph Gerd H. Hövelmann, der Soziologe Jan Pilgenröder, der Psychologe Alexander Schestag und der Soziologe Edgar Wunder auf ihrer kritischen Webseite www.skeptizismus.de über die so genannte Skeptiker-Bewegung schreiben, lässt sich 1:1 auch auf Esowatch.com übertragen:

Hier geht es zum vollständigen Beitrag über Esowatch im H.Blog ...

[Gleicher Beitrag (Esowatch) bei Medicalblogs.de ...]


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Donnerstag, 4. Dezember 2008

Wir haben keine Wahl, auch nicht bei Wahlen!?

Können Sie sich noch an die aufgeregte Diskussion um den FREIEN WILLEN des Menschen erinnern? Gut, die Diskussion hat sich beruhigt, nachdem Vertreter eines neurobiologischen Determinismus wie z. B. Gerhard Roth ihre Thesen bereits 2005 relativiert haben. Zur Auffrischung hier nochmals ein 2005er Artikel aus der Zeitschrift VERHALTENSTHERAPIE & VERHALTENSMEDIZIN. Autor ist ein Anonymus (Facharzt für Psychiatrie) aus Bayern:



»›Wir sollten aufhören, von Freiheit zu sprechen.‹ Wir haben keine Wahl, auch nicht bei Wahlen, schon gar keine Schuld, sondern ›sind geprägt wie die Lorenz'schen Graugänse.‹ Derartiges versichert in der Nachfolge Skinner's heute der Neurophysiologe Wolf Singer. Er ist sich sicher: ›Verschaltungen legen uns fest.‹ Ihn selbst etwa darauf, seit Anfang 2004 erst in der FAZ und seitdem wiederholt auch anderenorts zur ›Erkenntnis‹ der Hirnforschung zu erklären: ›Keiner kann anders als er [verschaltet...] ist.‹ Mutig hatten sich Neurowissenschaftler allerdings schon vorher weit aus dem Fenster gelehnt, visionär den Blick ins Land gerichtet – und in ein grandioses Jahrtausend.

Es hatte soeben begonnen, als ein Neurophilosoph schaltete und dazu ansetzte, in einem neu gegründeten ›Magazin für Psychologie und Hirnforschung‹ zur Großprophylaxe der Öffentlichkeit zu schreiten und sie rechtzeitig ›auf die brisanten Erkenntnisse der modernen Hirnforschung‹ vorzubereiten, in der Überzeugung: ›Die Hirnforschung verändert in dramatischer Weise unser Menschenbild und damit die Grundlage unserer Kultur, der Basis unserer ethischen wie politischen Entscheidungen.‹

Wer es zu lesen bekam, der fragte sich vielleicht, ob nach Marx, Haeckel und anderen wieder einmal die Verkündigung einer ›wissenschaftlichen Weltanschauung‹ drohe. Der Fachmann überschlug es schnell: Neurophysiologie als Ersatz für persönliche Selbstbilder und individuelles Selbstverständnis, für Ich- und Selbstbewusstsein, Selbstmodelle in Psychologie und Psychotherapie und sonstigen „Menschenbildern‹ aller Art? ...«

Hier geht es zum vollständigen Originalbeitrag ...


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Sonntag, 2. November 2008

Randomisierte klinische Studien (RCT), vom Goldstandard zum Sorgenkind

Ein noch immer weit verbreiteter Mythos lautet sinngemäß: »Der relative Vergleich Verum versus Placebo einer randomisierten klinischen Studie (RCT) erlaubt absolute Aussagen hinsichtlich des medizinischen Nutzens einer untersuchten Therapieform.«



In der Medizin und in der medizinischen Forschung bahnt sich seit den Neunzigerjahren, von großen Teilen der Öffentlichkeit noch unbemerkt, eine Revolution an, die folgende Aspekte betrifft
  1. Unterscheidung zwischen Krankheitssymptom und Krankheitsursache (→ www.symptome.ch),
  2. Unterscheidung zwischen Wirkung (Symptomunterdrückung) und Auto- bzw. Selbstregulation (Selbstheilung, Homöostase),
  3. Aufwertung des Stellenwerts unspezifischer Wirkfaktoren (→ Dodo-Bird-Verdikt) wie z. B. Erwartungen (→ »Wirkung der Bedeutung«), Hoffnungen, Arzt-Patient-Beziehung oder Veränderung des Lebensstils,
  4. Verlagerung der Verantwortung vom Therapeuten (Reparatur) hin zum Patienten (Prävention, Salutogenese),
  5. intelligente Verknüpfung von Schulmedizin und Komplementärmedizin (→ Integrative Medizin),
  6. Aufwertung der Versorgungsforschung, die das Kosten-Nutzen-Verhältnis medizinischer Interventionen z. B. in Outcome-Studien oder in Health Technology Assessments (HTAs) - nicht im klinischen Labor, sondern unter realen Umgebungsbedingungen (»Real-World Effectiveness«) - wissenschaftlich prüft (→ Versorgungsforschung)
und sowohl das therapeutische Vorgehen als auch die wissenschaftliche Forschungsmethodik beeinflusst. Randomisierte klinische Studien (RCTs), seit den Sechzigerjahren Inbegriff objektiver klinischer Therapieprüfung, wandeln sich vom Goldstandard zum Sorgenkind. Ein von der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen jüngst veranstaltetes Fachgespräch umschrieb diesen Sachverhalt mit den Worten: »Diese RCT-Studien unterschätzen systematisch die Macht der Information und die damit verbundene Bedeutung der Arzt-Patient-Beziehung.« Weil medizinische Forschung nicht nur durch Erkenntnisfortschritt sondern auch durch Politik, Weltanschauung und kommerzielle Interessen geprägt wird, benötigt der Umdenkprozess allerdings seine Zeit.

Der unkritische Umgang mit RCTs erinnert mitunter an das Märchen »Des Kaisers neue Kleider«. Zu Beginn nur wenige, inzwischen immer mehr Stimmen wagen es, dezent darauf hinzuweisen, dass der Kaiser nackt ist ...

Link zum Originalbeitrag im »H.Blog: Homöopathie & Forschung« ...

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Sonntag, 5. Oktober 2008

»Unterbewusstsein« versus »Unbewusstes« - Leserbrief von Prof. Dr. med. Eckhard Frick

Unter der Überschrift »Schöpferische Krankheit: Sigmund Freud, Carl Gustav Jung und die Entdeckung des Unbewussten« habe ich im März 2008 einen Artikel über die Analytische Psychotherapie nach C. G. Jung von Prof. Dr. med. Eckhard Frick vorgestellt. Herr Frick, Professor für Psychosomatische Anthropologie an der Hochschule für Philosophie in München, hat sich jetzt zu Wort gemeldet und dabei den aus seiner Sicht missverständlichen Begriff »Unterbewusstsein« kritisiert. Der folgende Leserbrief erläutert seine Sichtweise:

»Es ist kein Zufall und kein beliebiger Sprachgebrauch, dass die Psychoanalyse im Gegensatz zur Umgangssprache, gegen Pierre Janets »subconscient« und im Einklang mit der philosophischen Tradition (Schelling, Carus, v. Hartmann) nicht vom »Unterbewusstsein« redet, sondern vom Unbewussten, gebildet mit dem privativen Präfix un, nicht mit dem räumlichen unter (Gardner 2003). »Un« heißt, dass dem bewussten seelischen Erleben etwas fehlt. Dies ist nicht im Sinn einer Negation zu verstehen (als Luxus, Kuriosität, störendes Beiwerk o. ä.), sondern als Privation (»Beraubung« ): Unser bewusstes Erleben vermisst entweder die unbewussten Inhalte schmerzlich oder aber möchte diese loswerden. In jedem Fall gehört das Unbewusste zum Denken, ja: der Kern des Denkens ist unbewusst.

Eine Gefahr räumlicher Modelle des Psychischen besteht darin, das Seelische in Stockwerken zu denken und das »Unterbewusste« gleichsam in den Keller zu verbannen. Freud wird nicht müde, den metaphorischen Charakter seiner topischen Modelle zu betonen. Er will das Psychische nicht lokalisieren, sondern de-lokalisieren.«

Prof. Dr. med. Eckhard Frick
Hochschule fuer Philosophie, München

Ein neues Buch von Prof. Eckhard Frick, lieferbar ab Herbst 2008:



Psychosomatische Anthropologie
Ein Lehr- und Arbeitsbuch für Unterricht und Studium — von Eckhard Frick unter Mitarbeit von Harald Gündel

Psychosomatische Störungen werden heute nicht mehr durch Ausschluss organischer Krankheitsursachen diagnostiziert. Vielmehr versteht die Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Krankheiten und deren Bewältigung vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte und der psycho-sozialen Rahmenbedingungen. Erkenntnisse der Neurobiologie, der Bindungsforschung und der Psychiatrie stellen neu die Frage nach dem Menschenbild, nicht nur für die Psychosomatik, sondern für die gesamte Medizin. Die Kapitel des Buches erschließen zentrale Themen des Menschseins (z.B. Bindung, Angst, Leiden, Trauer) für Gesundheit, Krankheit und Therapie.

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Donnerstag, 18. September 2008

Prof. Thomas Fuchs: Neuromythologien - wenn Hirnforschung zur Religion wird

Denke ich, oder denkt mein Gehirn?

Matthias Wenke sagte mir dazu in einem Interview:

»Was für eine Frage. Natürlich! Das Gehirn ist nur ein Teil von einem Menschen, und man darf aus diesem einzelnen Organ nun nicht das »eigentliche« Subjekt machen, wie es leider einige Hirnforscher in ihren Publikationen suggerieren. Thomas Fuchs von der Phänomenologischen Sektion der Psychiatrischen Uniklinik Heidelberg hat in einem Artikel brilliant gezeigt, dass mit dieser Selbstverdinglichung »das Gehirn nicht nur die Leerstelle des Subjektes [einnimmt], sondern letztlich die Leerstelle Gottes. (…). Die neurobiologische Anti-Metaphysik schlägt um in eine krypto-religiöse Metaphysik – einen ›Glauben an das Gehirn‹«
(Fuchs „Neuromythologien“, S. 17 in Gehirn & Geist am 02.01.2007).

So etwas gleicht der magischen Überhöhung eines Fetischs, die den klaren Blick auf die Sache vernebelt. Dasselbe gilt übrigens für einen mystifizierten Modebegriff vom »Unbewussten«. Das Organ des Denkens, Fühlens und Handelns ist aber immer der vollständige und beseelte menschliche Leib. Und auch an jedem Gedanken ist der ganze leibhaftige Mensch beteiligt.«

Denke ich, oder denkt mein Gehirn?

Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs beantwortet die Frage gleich mit einem ganzen Buch:

»Das Gehirn - ein Beziehungsorgan.«

Denkt das Gehirn? Ist es der Schöpfer der erlebten Welt, der Konstrukteur des Subjekts?

Dieser verbreiteten Deutung der Neurowissenschaften stellt das Buch eine ökologische Konzeption gegenüber: Das Gehirn ist vor allem ein Vermittlungsorgan für die Beziehungen des lebendigen Organismus zur Umwelt und für unsere Beziehungen zu anderen Menschen. Diese vielfältigen Interaktionen verändern das Gehirn fortlaufend und machen es zu einem biographisch, sozial und kulturell geprägten Organ.

Fazit: Es ist nicht das Gehirn für sich, sondern der lebendige Mensch, der fühlt, denkt und handelt. Diese Konzeption wird auf philosophischer, neurobiologischer und entwicklungspsychologischer Basis entwickelt. Ein gesonderter Abschnitt gilt ihren Konsequenzen für unser Verständnis psychischer Krankheit, für die psychologische Medizin und Psychotherapie.

Aus dem Inhalt:
Teil A: Kritik des neurobiologischen Reduktionismus
1. Kosmos im Kopf?
2. Das Gehirn als Erbe des Subjekts?
Teil B: Gehirn – Leib – Person
3. Grundlagen: Subjektivität und Leben
4. Das Gehirn als Organ des Lebewesens
5. Das Gehirn als Organ der Person
6. Der Doppelaspekt der Person
7. Konsequenzen für die psychologische Medizin
Schluss
Gehirn und Person - Die Reichweite neurobiologischer Erkenntnisse - Naturalistisches
oder personalistisches Menschenbild?

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Depression und Trauma - »Mindfulness Based Stress Reduction« als Lösung

Vielleicht wissen Sie es, vielleicht auch nicht. Das Webtagebuch H.Blog: Homöopathie & Forschung ist ein weiterer Ort, an dem ich Gedanken zu Papier ... nein ... zum Webserver bringe. Zu den am meisten gelesenen Beiträgen dieses Blogs gehört der Artikel: »Antonie Peppler & Homöopathie bei Depression - Vorsicht!«

Warum erwähne ich das an dieser Stelle?

Wegen der Textpassage zum Thema »Trauma«!

Wenn Sie sich nicht zufälligerweise für Homöopathie interessieren, dann können Sie meine kritischen Gedanken zur homöopathischen Depressions-Behandlung von Antonie Peppler gerne überlesen. Lesenswert finde ich allerdings folgende Stelle:

Zeigen depressive Menschen mehrere der folgenden Symptome
  • wiederkehrende Angstzustände
  • Hypervigilanz (ständiges »auf der Hut sein«)
  • Hyperaktivität (regelmäßig »unter Strom stehen«)
  • Überempfindlichkeit gegen Licht, Lärm, Berührung
  • starke Stimmungsschwankungen (Wut, Scham)
  • geringe Stresstoleranz
  • Gefühl der Hilflosigkeit
  • Dissoziation (häufig geistig abwesend sein, Taubheit im Körper, eingeschränktes Erinnerungsvermögen)
so spricht dies für die Möglichkeit, dass ein sog. Posttraumatisches Belastungssyndrom (PTBS) der Auslöser der Depressionen ist.

Trauma? Viele Menschen denken bei diesem Wort an eine schwerwiegende seelisch-psychische Verletzung, wie sie beispielsweise Soldaten im Krieg erfahren. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass sehr viele Menschen im Verlaufe ihrer Kindheit »subtile Traumata« erfahren. Das sind auf den ersten Blick kaum sichtbare emotionale Verletzungen, die auf den zweiten Blick ein ganzes Leben lang wirksam sein können. Ob dies der Fall ist, dass hängt von der Resilienz eines Menschen ab. Hochsensible Menschen sind beispielsweise empfänglicher für »subtile Traumata« als »durchschnittlich sensible« Menschen.

Herausfordernd an »subtilen Traumata« sind zwei Aspekte. Zunächst einmal wissen betroffene Menschen häufig nicht, dass sie durch »subtile Traumata« geprägt wurden und tagtäglich beeinflusst werden. Darüber hinaus entziehen sich »subtile Traumata« bis zu einem gewissen Grad etablierten kognitiv orientierten therapeutischen Maßnahmen. Ich zitiere Wikipedia:

»Die Kognitiven Therapieverfahren, zu denen die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und die Rational Emotive Verhaltenstherapie (REVT) gehören, gehen davon aus, dass die Art und Weise, wie wir denken, bestimmt, wie wir uns fühlen und verhalten und wie wir körperlich reagieren. Schwerpunkte der Therapie sind:
  • die Bewusstmachung von Kognitionen
  • die Überprüfung von Kognitionen und Schlussfolgerungen auf ihre Angemessenheit
  • die Korrektur von irrationalen Einstellungen
  • Transfer der korrigierten Einstellungen ins konkrete Verhalten
Die Kognitive Therapie stellt somit die aktive Gestaltung des Wahrnehmungsprozesses in den Vordergrund. Nicht die objektive Realität, sondern die subjektive Sicht der Dinge, also die Wahrnehmungsselektion und die Wahrnehmungsbewertung, sind entscheidend für das Verhalten. Affekt und Verhalten sind weitgehend von der Art bestimmt, wie der Mensch die Welt strukturiert.«



Aus der Sicht von Trauma-Experten wie z. B. Peter A. Levine sind kognitive therapeutische Ansätze immer dann zum Scheitern verurteilt, wenn eine Beeinträchtigung nicht kognitive (z. B. entfaltungshemmende Überzeugungen) sondern somatische (z. B. physischer »Energieeintrag« eines Traumas) Ursachen hat. Peter A. Levine geht sogar so weit, dass er jegliche Analyse von Kindheit, Überzeugungssystemen etc. für überflüssig hält, sobald traumatische Einflüsse sichtbar sind.



Der therapeutische Ansatz besteht in diesen Fällen nicht in der Beeinflussung von Verhalten oder Kognition sondern in der Emotionsregulierung. Emotionsregulierung kann man sich stark vereinfacht (und nicht ganz richtig) vorstellen als eine Art »Energie-Ableitung« durch absichtsloses Wahrnehmen und intensives Fühlen. Verfahren zur Emotionsregulierung gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Sie nennen sich Somatic Experiencing, (körperorientierter) Somatische Integration, Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie oder ACT: Akzeptanz und Commitment Therapie. Die gemeinsame Wurzel vieler dieser Verfahren liegt in der schon seit Jahrtausenden überlieferten Achtsamkeitsmeditation. Von religiösen und weltanschaulichen Elementen befreit nutzt man sie inzwischen mit großem Erfolg als »Mindfulness Based Stress Reduction« (MBSR nach Jon Kabat-Zinn).

Links zum Thema:

Universität Bern: Achtsamkeitsbasierte Ansätze in der Verhaltenstherapie

3Sat: »Achtsam« gegen Schmerz und Depression vorgehen

ORF: Achtsamkeit in Medizin und Psychotherapie

Stern: Die Wissenschaft vom Hier und Jetzt

Verhaltenstherapie: Achtsamkeit (»Mindfulness«) als Therapieprinzip in Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin

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